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01 Verkehr PDF Drucken E-Mail

Bilanz:

Mit dem Anwachsen des motorisierten Verkehrs während der vergangenen Jahrzehnte steigerte sich für unsere Stadt die Verkehrsbelastung bis auf das heute schier unerträgliche Maß, insbesondere in der Innenstadt. Bedingt durch die naturäumliche Lage und die Bedeutung Mettmanns als verkehrsgünstig gelegenes Zentrum muss ein Großteil des Individualverkehrs immer noch durch die enge Innenstadt geleitetet werden, da bis heute geeignete Umgehungs- und Entlastungsstraßen fehlen. Daher hat Mettmann derzeit eine ganz enorme Anzahl an Verkehrsbewegungen zu bewältigen. Der überwiegende Anteil des Individualverkehrs besteht dabei aus „selbstgemachtem“ Verkehr von Mettmannerinnen und Mettmannern innerhalb der Stadt. Mit dem Ausbau der OrtsbusLinien und der Regiobahn-Verbindungen hat sich der ÖPNV in der Stadt in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt.

 

Perspektiven:

Grundsätzlich gilt auch für Mettmann, dass hohe Mobilität heute zum Lebensprinzip des Berufs- und Privatlebens geworden ist. Und dazu gehört nun einmal das Auto. Dessen Bedeutung für die Mobilität der Menschen – in nahezu allen Lebensaltern – lässt sich in Zukunft bestenfalls reduzieren, doch eine gänzlich autofreie Stadt wird eine Illusion bleiben. Für Mettmann bedeutet das weiter Autoverkehr zuzulassen, aber möglichst weniger und anders. Eine Attraktivierung der Innenstadt als Einkaufsort kann gelingen, wenn der unvermeidbare Autoverkehr intelligenter gesteuert wird. Dazu gehört auch ein modernes Parkraumkonzept mit einer besseren Beschilderung, einer sinnvollen Gebührenstruktur und der Schaffung ausreichender zentral gelegener Parkplätze.
Um die Ursachen des hohen Verkehrsaufkommens zu verändern, bedarf es grundsätzlich einer stärkeren Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung, und dies in mehrfacher Hinsicht: auf der Ebene des Durchgangsverkehrs, den Mettmann bewältigen muss, lassen die Verkehrsbeschlüsse von Kreis und Stadt Mettmann (von 2005) mit den Bestandteilen Osttangente, Seibelquerspange und Teilumfahrung Altenbruch mittelfristig, d.h. in den nächsten zehn Jahren, für die Innenstadt eine spürbare Verkehrsentlastung erwarten. Ebenso wird die beschlossene Umwidmung einiger Straßenabschnitte und die damit verbundene effektivere Verkehrssteuerung mittel- und langfristig zu einer Entspannung der Verkehrssituation beitragen können. Erst dann kann zukünftig eine Sperrung des Innenstadtbereiches für LKW-Verkehr erfolgen. Die Fortsetzung der Regiobahn in Richtung Wuppertal und nach Velbert/Essen (circle-line) lassen eine weitere Steigerung des ÖPNV als wahrscheinlich erwarten.
Nicht zuletzt muss auch über das Thema Fahrgeschwindigkeit neu nachgedacht werden. Temporeduzierung im Stadtverkehr vereinigt positiv mehrere Wirkungen: neben einer unzweifelhaften Umweltentlastung entsteht eine höhere Verkehrssicherheit und wird der gewünschte Lärmschutz besser realisierbar. Mit einer Reduzierung der Ampeldichte zugunsten von Kleinkreiseln, dort wo sie vom Raumangebot (Querschnitt) her möglich und sinnvoll sind, sollte eine innenstadtorientierte Verkehrsberuhigung zusätzlich unterstützt werden.

Auf der Ebene des innerstädtischen Individualverkehrs kann eine Reduzierung der Autoverkehrsbewegungen nur durch die Schaffung von angemessenen Alternativen zum Auto geschehen. Daher müssen die „stadtfreundlichen“ Verkehrsträger, nämlich Fuß- und Radverkehr sowie der ÖPNV grundsätzlich mehr Bedeutung bekommen. Dazu gehört zunächst der weitere Ausbau eines bedarfsgerechten ÖPNV als flächendeckendes Verbundsystem mit Frequenzverdichtung, also in Zukunft häufigeren Abfahrtszeiten. Im Mettmanner Liniensystem können in dieser Hinsicht noch diverse Optimierungen erfolgen, beispielsweise bei den Linien zwischen Wohngebieten und der Innenstadt sowie den zu den weiterführenden Schulen (speziell durch eine deutlichere Abstimmung der Busfahrpläne mit den schulischen Unterrichtszeiten). Gerade im Hinblick auf die zukünftige Ausweitung des schulischen Ganztagsbetriebes sind bessere Angebote im ÖPNV notwendig. Insbesondere die Erreichbarkeit der Innenstadt gilt es mit einem gut abgestimmten ÖPNV-Konzept zu fördern. Denn nur so kann auch die für einen attraktiven Einzelhandel notwendige Kundenfrequenz langfristig erreicht und gesichert werden.
Eine fußläufig bessere Erschließung und Vernetzung der Versorgungs- und Einkaufsbereiche in der Innenstadt sind von grundsätzlicher Bedeutung. Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft werden gut lesbare Beschilderungen, trittsichere Bodenbeläge in Fußgängerbereichen, deutlich fußgängerorientierte Ampelanlagen sowie vermehrte Rast- und Verweilmöglichkeiten auf den Wegen und in den Einkaufsstraßen unabdingbar. Von wesentlicher Bedeutung ist hierbei auch die Vernetzung der Fußverkehrswege im Innenstadtbereich, wobei die störenden Straßenüberquerungen durch die zukünftige Verkehrsverlagerung deutlich reduziert werden können. Verbesserte Möglichkeiten zum innenstadtnahen Wohnen werden ebenso zu einer nachhaltigen Verminderung des Autoverkehrs beitragen.
Die Möglichkeit, über ein flächendeckendes, sicheres Radwegenetz in Mettmann mobil zu sein sowie sichere Abstellmöglichkeiten in ausreichender Zahl (z.B. abschließbare Fahrradboxen) an zentralen Standorten in der Innenstadt vorzufinden, gehören unverzichtbar zu einer Perspektive der (er)lebenswerten Stadt. Eine optische Aufwertung der Radwege gegenüber dem „autozentrierten“ Straßenraum ist dabei notwendig, um Radfahren in Mettmann deutlich sicherer und attraktiver zu machen. Schließlich können auch steigende Energiekosten und die größere Notwendigkeit zu gesundheitsbewusstem (Verkehrs-)Verhalten und zum Klimaschutz zur Entwicklung einer „Radfahrkultur“ in Mettmann beitragen.