Bilanz:Gemeinsam mit vielen anderen peripheren Städten, die in einem urbanen Ballungsraum von großen Zentren umgeben sind, ist Mettmann in der Situation, dass die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt, gemessen an ihrer Einwohnerzahl, eher gering sind. Die qualitative und quantitative Ausweitung unseres Einzelhandels wird durch die regionale Verflechtung immer deutlich beschränkt bleiben. Das heißt, die gute Erreichbarkeit der Oberzentren Düsseldorf, Wuppertal, Essen und der Nachbarstädte des Kreises wird die potentielle Kundschaft für den hiesigen Einzelhandel stets auf einem begrenzten Niveau halten. Mettmann ist eben kein zentraler Ort einer ländlichen Region; der Aufbau eines umfangreichen „großstädtischen“ stadt- und umlandversorgenden Einzelhandelsangebots bleibt unrealistisch. Dennoch wird durch das Einzelhandelsgutachten eine angemessene Ausweitung des innerstädtischen Geschäftsbesatzes dringend angeraten, um das zweifelsfrei vorhandene Versorgungspotential der Stadt besser in Wert zu setzen und die notwendige Attraktivierung und Belebung der Innenstadt zu erreichen. Ein deutlich regional- und kundenbezogenes Angebot ist bisher schon eine Stärke Mettmanns. Eine weitere Qualität unserer Stadt ist die sehr gute Infrastruktur im Bereich der Dienstleistungen, des Handwerks, der medizinischen und juristischen wie auch der bildungsspezifischen Versorgung. Perspektiven:Mettmann wird seinen Charakter als Einkaufsstandort auch in Zukunft noch weiter verändern. Die Konkurrenz zu den Nachbarstädten und die Herausbildung neuer Einkaufsmöglichkeiten über das Internet werden dabei die Entwicklungsmöglichkeiten des Mettmanner Einzelhandels beeinflussen. Dennoch bieten sich, wie nicht zuletzt das Einzelhandelsgutachten zeigt, beträchtliche ökonomische Potentiale in unserer Stadt. Im Vordergrund muss stehen, die Innenstadt als lebendigen Einkaufs- und Erlebnisort zu stärken und die Nahversorgung in den Stadtteilen zu sichern. Hierzu gilt es, bestehende Strukturen besser zu nutzen und sinnvoll zu ergänzen. Aufgabe des Einzelhandels wird es sein, mit neuen Servicemöglichkeiten, spezifischer Kundennähe und neuem Marketing auf die jeweiligen Bedürfnisse der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen einzugehen. Zu einem „gesunden Mix“ gehören dann qualitativ hochwertige Angebote ebenso wie Waren und Dienstleistungen in den unteren und mittleren Preissegmenten. Wenn unsere Stadtbewohner und Stadtnutzer zukünftig älter und „bunter“ werden, ergibt sich daraus auch die Chance für neue Marktsegmente, beispielsweise für seniorengerechten Alltagsbedarf und Sortimente zur Freizeit, Kultur und Bildung. Hier bietet das Einzelhandelsgutachten einen überzeugenden Entscheidungsrahmen. Eine Vielzahl kleinteiliger Einzelhandelsangebote (einschließlich diverser Beratungsdienstleistungen, beispielsweise eines Kultur- und Regionalbüros bis hin zu Gesundheits- und Schuldnerberatung) kann für eine Stadt wie Mettmann langfristig einen strukturellen Vorteil ausmachen gegenüber einigen wenigen flächenextensiven Großanbietern, denn kleinere Flächen lassen sich bei Bedarf flexibler umnutzen als große Einzelhandelsgrundstücke. Ein alltagstauglicher Nutzungsmix erfordert neue, zusätzliche Einzelhandelsflächen in der Innenstadt. Für verbesserte Einkaufsmöglichkeiten wird schließlich eine deutlichere räumliche und bauliche Konzentration und Vernetzung des Einzelhandels in der Innenstadt notwendig, was Lückenschlüsse und beidseitige Straßenerschließung mit Geschäften („Flanierqualität“) unverzichtbar macht. Die städtische Wirtschaftsförderung, welche sich zur Bedeutung der Innenstadtentwicklung bekennt, muss sich auch der Problematik hoher Mieten für Ladenlokale und Geschäftsimmobilien annehmen. Sie sollte nach Mitteln und Wegen suchen, um dem innerstädtischen Einzelhandel durch niedrigere Mieten mehr Spielraum zu verschaffen. Gerade für die zuvor genannten neuen kleinteiligen Angebotsmöglichkeiten sowie für die Vermarktung regionaler Produkte muss eine strukturelle Stärkung der Rahmenbedingungen für den Einzelhandel erfolgen, um mittelfristig eine stabile Vielfalt des Mettmanner Angebotes zu erreichen und langfristig zu sichern. Dabei gilt es, die Existenz eigentümergeführter Geschäfte zu fördern, um das Angebot nicht über die Maßen den Filialen finanzkräftiger Ketten und Großunternehmen überlassen zu müssen. Denn diese können auch überhöhte Mieten zahlen und das häufig auf Kosten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Leider ist die personelle Einbindung der Geschäftsleitungen solcher Filialen an die Stadt selbst oft gering, entsprechend niedrig ist daher die Beteiligung an innerstädtischen Marketingmaßnahmen (beispielsweise an der Weihnachtsbeleuchtung), obwohl auch sie davon profitieren. Denkbar für die Förderung des Einzelhandels sind auch spezielle Formen einer öffentlich-privaten Partnerschaft, bei der sich die Einzelhändler eines räumlich abgegrenzten Bereiches zur Erreichung bestimmter Ziele organisatorisch zusammen schließen , beispielsweise für die Attraktivitätssteigerung in einer Straße. Dazu gehen sie für eine zeitlich begrenzte Dauer eine finanzielle Kooperation ein. Durch einen Ratsbeschluss könnte eine solche Selbstverpflichtung initiiert und unterstützt werden, so dass ein effektives, zielgerichtetes Handeln zur positiven Stadtentwicklung beitragen kann.
Die Wohn- und Lebensqualität in den einzelnen Wohnquartieren der Stadt schließlich hängt ganz wesentlich von den Möglichkeiten zu einer dezentralen und fußläufigen Nahversorgung ab. Auch dazu bietet das Einzelhandelsgutachten Problemlösungen an, mit deren Realisierung kurz- und mittelfristig begonnen werden sollte. Unsere Zukunftsperspektive schließt auch das Verbraucherverhalten ein: Wer eine lebendige Stadt mit einem vielfältigen Einzelhandelsangebot möchte, kann selbst durch sein Einkaufsverhalten erheblich dazu beitragen. Einige Einzelhändler vermarkten bereits regionalspezifische Produkte (z.B. Lebensmittel regionalen Ursprungs sowie auch auf die Region bezogene Produkte). Wenn dieser Ansatz durch eine „Abstimmung mit den Füßen“ unterstützt wird, werden auch weitere Händler zu ähnlichen Entwicklungen ermutigt. Daher sollte auch über die Errichtung einer Markthalle in Mettmann nachgedacht werden, welche regionalen Produkten eine attraktive Präsentationsform (beispielsweise wie in Langenfeld) ermöglicht.
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