Bilanz:Mettmann hat in den vergangenen 60 Jahren eine bemerkenswerte Integrationsleistung vollbracht und seine Wohnungsbaukapazität so stark gesteigert, dass die Einwohnerzahl seit 1948 von damals 17.500 auf heute nahezu 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner angestiegen ist. Neben der Eingliederung Metzkausens (1975) sind es vor allem Zuwanderungen, welche das Stadtwachstum bis in die 70er Jahre hinein im wesentlichen geprägt haben. Die Zuzüge in die jüngsten Neubaugebiete zeigen, dass Mettmann auch heute von jungen Familien mit Kindern als Wohnort geschätzt wird, insbesondere auf Grund seiner günstigen Verkehrsanbindungen zu den umliegenden Oberzentren und zum Flughafen Düsseldorf. Daneben sind es vor allem zahlreiche Freizeitmöglichkeiten sowie „das viele Grün“ in und um die Stadt, welche Neubürger trotz der im bundes-deutschen Durchschnitt vergleichsweise hohen Immobilienpreise nach Mettmann gezogen haben. Die Investition in die eigene Immobilie lohnt sich demnach in unserer Stadt, wie das positive Preisgefüge bei Häusern und Wohnungen belegt. Doch auch im Mietwohnungsbau kann Mettmann ein quantitativ und qualitativ gutes Angebot vorweisen, was nicht zuletzt eine Folge des erfolgreichen Wirkens einer alteingesessenen Wohnungsbaugenossenschaft ist. Durch die bisherigen Zuwanderungen erfolgt der demografische Wandel in Mettmann deutlich langsamer als in anderen Städten vergleichbarer Größenordnung, worin positive Chancen für den Stadtentwicklungsprozess gründen können. Die Wohnformen in unserer Stadt sind so vielfältig wie unsere Einwohner auch: Neubaugebiete und zahlreiche ältere, gut durchgrünte Wohngebiete mit vorherrschenden Einfamilienhäusern unterschiedlichster Ausgestaltung, Villenbereiche, gründerzeitliche Stadtquartiere, Mietshaus-Siedlungen verschiedenster Niveaus und auch einzelne moderne, ungewöhnliche Wohnbauten (z.B. das Hofhaus für mehrere Generationen) prägen das Stadtbild. Gerade diese Vielfalt trägt nicht wenig zur Attraktivität unserer Stadt bei.
Perspektiven:Neben den vorhandenen werden wir für die Zukunft neue Wohnformen und -angebote entwickeln müssen, die den spezifischen Bedürfnissen der Menschen in den unter-schiedlichen Lebensaltern und den ökologischen Anforderungen deutlicher gerecht werden als bisher. Selbstverständlich sollte eine darauf ausgerichtete Stadtplanung den Menschen, beiden Geschlechtern in allen Lebensaltern, bedürfnisgerechte Lebensräume ermöglichen. Die Vermeidung von „Angsträumen“ bei der Planung von Baukörpern und Straßenverläufen zählt ebenso dazu wie die Berücksichtigung von Mobilitätseinschränkungen bei der Gestaltung der Verkehrsflächen (d.h. Gehhilfen, Kinderwagen, Rollstühle). Straßenräume und Freiflächen sollten schließlich eine hohe Aufenthaltsqualität bieten und damit den Anforderungen der so genannten „Versorgungsarbeit“ gerecht werden (Betreuung und Pflege von Kindern und Seniorinnen und Senioren). In familienfreundlichen Wohngebieten müssen Betreuungs- und Nachbarschaftsangebote, fußläufige Einkaufsmöglichkeiten sowie ausreichende Frei- und Spielflächen für Kinder und Jugendliche vorhanden sein: das heißt Erlebnisräume statt allzu enger Siedlungs- und Verkehrsflächen. Die älter werdenden Bürgerinnen und Bürger möchten trotz ihres teilweise zunehmend begrenzten räumlichen Aktionsradius auf eine gute Lebensqualität nicht verzichten. Daher sind innenstadtnahe, flexible Wohnraumangebote, die auch neuen sozialen Wohnformen, wie z.B. der Wohngemeinschaft älterer Menschen, Rechnung tragen, ein wichtiges Ziel. Wohnungsnahe Betreuungs- und Hilfsangebote, Kontaktmöglichkeiten und fuß-läufige, seniorengerechte Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten sind für ein zukunftsfähiges Mettmann ein „Muss“. Entsprechend werden neben den klassischen ambulanten Pflege-Dienstleistungen auch neue, räumlich gebundene Serviceangebote im Wohnumfeld entstehen (müssen). Die Innenstadt kann nicht mehr nur Einkaufs- und Versorgungsschwerpunkt sein, sondern wird in ihrer Gestaltung der Entwicklung zum Wohnstandort von immer mehr Menschen in mittlerem und höherem Alter Rechnung tragen müssen.
Neben den skizzierten sich verändernden Anforderungen an Wohnraum, infolge deren neue Wohnformen entstehen (müssen), wirken sich auch die ökologischen Herausforderungen auf den Stadtentwicklungsprozess aus. Gebäude müssen zukünftig nicht nur variabel nutzbar oder seniorengerecht sein, sondern auch energie- und flächeneffizient. Dies betrifft sowohl Neubauten wie auch den Gebäudebestand. Die Sanierung und Umnutzung vorhandener Wohnhäuser und Infrastruktur muss dabei Priorität vor Neubauten haben, da hier beträchtliche Energieeinsparungspotentiale bestehen. Die Stadtverwaltung kann dabei in enger Zusammenarbeit mit den Energieversorgern durch gezielte Beratung und Information über geeignete Fördermaßnahmen (beispielsweise das KfW-Programm zur energetischen Gebäudesanierung) aktive Unterstützung leisten. Eine konstruktive Zusammenarbeit der Stadt zum Beispiel mit dem Mettmanner Bauverein hinsichtlich der klimaschonenden Sanierung seines umfangreichen Baubestandes ist daher wünschenswert. Zu allen geplanten Neubauten sollte ebenfalls diese städtische Beratungs- und Informationsarbeit erfolgen. Der genossenschaftliche Wohnungsbau sollte insgesamt wieder stärker wertgeschätzt werden, bietet er doch aufgrund seiner gemeinnützigen Zielsetzungen positive Potentiale für eine moderne, klimaschonende Siedlungswirtschaft.
Darüberhinaus gilt es, in dem komplexen Geflecht von Grundstücks- und Immobilienvermarktung sowie der Kreditvergabepraxis neue Akzente zu setzen, um einer weiteren Zersiedelung der Landschaft entgegen zu wirken und ökologisch angepasste Wohnformen zukünftig stärker fördern zu können. Die gegenwärtig üblichen Kreditkonditionen für Immobilienfinanzierungen unterscheiden nämlich nicht zwischen landschaftsverbrauchenden Neubaugebieten am Stadtrand und der flächenschonenden Inwertsetzung gebrauchter Immobilien – im Gegenteil. Die bislang gängige Kreditvergabepraxis beim Immobilienerwerb trägt mit einer Bevorzugung von Immobilien in „guter“, also „grüner“ Wohnlage zur Zersiedelung der Landschaft entscheidend bei. Darüberhinaus wird diese Entwicklung auch seitens der Stadt mit der Ausweisung großflächiger Neubaugebiete am Stadtrand unterstützt. Eine rein marktorientierte Vorgehensweise, wie sie bei Immobiliengeschäften und den entsprechenden Kreditvergaben üblich ist, wird für eine ökologisch orientierte Zukunft zu einem ganz erheblichen Problem. Eine Förderung des ökologischen Bauens und eine Bevorzugung von Sanierung, Nutzungsumwandlungen und Nachverdichtung im vorhandenen Wohnungsbestand, statt der immer neuen Ausweisung von Bauflächen mit dem Folgeproblem der Zersiedlung des Stadtrandes und der Landschaft, ist in Zukunft ohne Alternative. Solche Forderungen stellen aber derzeit noch ein kaum zu lösendes Problem dar. Die Schaffung von finanziellen Steuerungsanreizen durch ein gemeinsames Miteinander von Stadt und Immobilienwirtschaft ist so lange unrealistisch, wie Bebauungspläne und andere Bauvorhaben nicht durch entsprechende ökologische Zielsetzungen und Planungsauflagen seitens der Stadt aufgewertet werden. Erst strengere Vorgaben werden die beteiligten Kreditinstitute, Unternehmen und Bauherren auch dazu veranlassen, den ökologischen Notwendigkeiten der Zukunft gegenüber ihren derzeitigen ökonomischen Zielvorstellungen Rechnung zu tragen. Je deutlicher in diesem Sinne aber Neubauvorhaben erschwert werden, umso attraktiver werden Investitionen in den bereits vorhandenen Baubestand.
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