Bilanz:Mettmann verfügt über ein breites Spektrum von Bildungseinrichtungen. Sechs Grundsschulen, teils als Ganztagsschulen ausgebaut oder auf dem Weg dorthin, werben mit individuellen Schulprogrammen. Neben den Bildungswegen an Haupt- und Realschule ermöglichen zwei Gymnasien den Erwerb der Hochschulreife. Drei Sonderschulen verschiedener Ausrichtung, ein Berufskolleg sowie eine Verwaltungs- und eine Altenpflegeschule tragen zu einem quantitativ und qualitativ umfangreichen Bildungsangebot in Mettmann bei. Schließlich sind auch die städtische Musikschule und Bibliothek sowie die Volkshochschule maßgeblich für unsere vielseitige „Bildungslandschaft“. Neben den Angeboten in öffentlicher Trägerschaft existieren eine Vielzahl privater Weiterbildungseinrichtungen für alle Altersgruppen: Von der Schüler-Nachhilfe über Sprach- und Computerschulen, Musik-, Tanz- und Kunstschulen bis hin zu zahlreichen Kursen und Bildungsveranstaltungen sozialer und kirchlicher Träger. „Lebenslanges Lernen“ ist in unserer Stadt (zumindest auf der Angebotsseite) gut möglich. Zusätzlich zum Bildungsangebot ist in Mettmann nicht zuletzt dank des ehren-amtlichen Engagements zahlreicher Bürgerinnen und Bürger auch ein Kulturangebot entstanden. Einige Veranstaltungen haben überregionalen Charakter entwickelt und damit positiv zum Image der Stadt beigetragen, hier sind beispielsweise der Blotschenmarkt, die Blueswoche und das Heimatfest zu nennen. Zunehmend wird auch die räumliche Nähe der Stadt zum weltberühmten Neanderthal Museum und dem einzigartigen Neandertal wertgeschätzt.
Perspektiven:Angesichts der fundamentalen Bedeutung von vielfältigen und hochwertigen Bildungsmöglichkeiten für die Lebensqualität der zukünftigen Gesellschaft bedarf es in Mettmann einer weiteren verstärkten Förderung der Bildungs- und Kultureinrichtungen, hier darf keinesfalls gespart werden! Überlegungen, die Bibliothek, die Musikschule oder die Volkshochschule nicht mehr oder noch eingeschränkter zu finanzieren, müssen in Zukunft tabu sein. Vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsgruppen und alle Generationen sollten für unsere Kommune eine Selbstverständlichkeit sein. Ausreichend Möglichkeiten zu lebenslangem Lernen wird schließlich in unserer Gesellschaft immer wichtiger, um die Probleme der Zukunft lösen zu können. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass Bildung auch etwas kostet. So muss zum Beispiel der vorhandene Sanierungsstau in den Schulgebäuden schnellstmöglich abgebaut werden. Mittel- und langfristig muss zusätzlich ein besseres Gebäudemanagement der schulischen Anlagen einsetzen. Gute Bildung bedarf einer angemessenen baulichen Infrastruktur und guter Sachausstattung der Schulen. Die finanzielle Förderung des Umbaus der Schulen zum Ganztagsbetrieb sowie des Betriebs selbst sind kommunale Aufgaben und müssen dezidiert und vorausschauend wahrgenommen werden. Weder Fördervereine noch Klassenpflegschaften dürfen für die notwendige Ausstattung der Klassenräume verantwortlich gemacht werden, auch wenn sie häufig durch ihr Engagement den Lehrbetrieb entscheidend unterstützen.
Auf institutioneller Ebene muss kurzfristig eine stärkere Vernetzung aller Bildungseinrichtungen erreicht werden. Die Stadtverwaltung sollte den organisatorischen Rahmen für eine effektivere Kooperation zwischen den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen schaffen, beispielsweise in Form verbindlicher, regelmäßiger Treffen der Bildungsträger (so zum Beispiel eine Gesprächsrunde zwischen den Ratsfraktionen und den Schulleitungen). Die Koordination beim Übergang von Kindergarten zur Grundschule sowie dann auf eine weiterführende Schule muss im Interesse der Kinder dringend verbessert werden. Nicht nur für den nachschulischen Betreuungsbedarf in allen Schulformen gilt das, sondern besonders auch für eine rechtzeitige, inhaltlich bessere Abstimmung der pädagogischen Konzepte und entsprechender Lerninhalte zwischen den Schulformen. Sprachtests, neue Lehrpläne und qualitativ sehr unterschiedliche Unterrichtskonzepte können nicht weiter nur als Sache des Schulamtes gesehen werden. Die inhaltlichen Vorgaben der Schulgesetzgebung lassen schließlich in der Praxis in Mettmann eine Schullandschaft entstehen, deren Probleme wiederum die Stadt als Träger zu bewerkstelligen hat: Auslastungsdefizite bei den einen sowie Überforderung bei anderen Schulen beeinträchtigen zunehmend das lokale Bildungsangebot, welches sich gleichzeitig durch den Ausbau von mehr Ganztagesschulen verändert. Wichtig ist in Zukunft, dass der Schulträger, also die Stadt, bei der Umwandlung in Ganztagsformen eben nicht nur für die räumliche und sachliche Ausstattung, sondern auch für die Organisation von Essensausgabe und Aufsichten zuständig ist. Hier muss deshalb ein zielgerichteter und häufigerer Informationsaustausch zwischen den Schulen seitens der Stadt gefördert werden. Eine engagierte Elternschaft in Form der Stadtschulpflegschaft sollte als Chance zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Elternhaus, Schule uns Stadt gewertet werden. Sie gehört daher in die Ausschussarbeit verbindlich integriert und nicht als „unnötig“ ausgegrenzt.
Bildungsdefizite erhöhen deutlich das Risiko von Arbeitslosigkeit und Armut – nicht nur aus ökonomischem Interesse an einer Vermeidung sozialer Folgekosten muss die Stadt wesentlich stärker als bisher ihrer bildungspolitischen Verantwortung nachkommen, sondern vor allem aus sozialer Verantwortung. Angesichts eines erheblichen Armutsproblems in unserer Stadt muss eine stärkere Bildungsförderung selbst-verständlich sein. Ungeachtet der Diskussion um die zukünftige optimale Schulstruktur müssen die gegenwärtigen Probleme der Hauptschulen deutlicher gemacht und entschiedener angegangen werden. Über kommunal finanzierte Sozialarbeiter und –psychologen in den schulischen Problembereichen sollte deshalb auch in Mettmann dringend nachgedacht werden. Auch hier beginnt die Zukunft jetzt. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion über die PISA-Ergebnisse sowie steigender Anforderungen an die Bildungsqualifikationen bei einer gleichzeitig wachs--enden Zahl von Schulabgängern ohne Schulabschluss, werden Veränderungen auch in der Mettmanner Schulstruktur unumgänglich sein. Dieser Prozess soll unter Einbindung aller Akteure seitens der Stadt begleitet werden. Eine Vernetzung der offenen Jugendarbeit mit dem schulischen Nachmittagsangebot muss personell intensiviert werden, denn gerade hier bestehen viele Chancen, Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen (sozial schwachen und bildungs-fernen Bevölkerungsschichten) positive Zukunftsperspektiven zu vermitteln. Eine jugendorientierte Erweiterung des Kulturangebotes für Jugendliche aus allen Teilen unserer Bevölkerung, gerade aber aus bildungsfernen Gruppen, ist für ein positives soziales Klima in unserer Stadt zukünftig unerlässlich.
Über den Bildungsbereich hinaus ist eine generelle Stärkung der Mettmanner Kulturlandschaft, vor allem in der bildenden Kunst, für alle Bevölkerungsgruppen von Nutzen. Vermehrte Ausstellungen regionaler und lokaler Künstler, Wettbewerbe zu gestalterischen Themen (durchaus auch zur Innenstadtgestaltung), Veranstaltungen, Führungen und Darstellungen zur Geschichte Mettmanns, insbesondere auch seiner Industrie- und Gewerbeentwicklung, können zur Steigerung der Identifikation von Mettmanns Bürgerinnen und Bürgern mit ihrer Stadt wesentlich beitragen. Das einmalige Potential des benachbarten international renommierten Neanderthal Museums sollte viel stärker im städtischen Kulturbetrieb in Wert gesetzt werden. Eine engagierte Mitwirkung der lokalen Wirtschaft im städtischen Kulturprozess ist sehr wünschenswert, beispielsweise durch erweitertes Kunst- und Kultursponsoring und regelmäßige Tage der „Offenen Tür“. Ein spezieller Mettmanner Design-Preis wäre hier zum Beispiel ein guter Weg. Eine dauerhafte Symbiose aus Wirtschaft, Kultur und Bildung käme schließlich der gesamten Stadtentwicklung zu Gute.
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