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Home Mettmann 2020 06 Soziale Stadt für Jung und Alt
06 Soziale Stadt für Jung und Alt PDF Drucken E-Mail

Bilanz:

Mettmann wird als Wohnstandort von Familien bisher gerne nachfragt, weil ein gesundes Wohnen in grüner Umgebung möglich und ein breites Angebot von Bildungseinrichtungen sowie zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung vorhanden sind. Der überschaubare, gemütliche Kleinstadtcharakter gerade in Verbindung mit der schnellen Erreichbarkeit gut ausgestatteter Nachbarstädte und Oberzentren macht für viele Familien das Wohnen in unserer Stadt trotz relativ hoher Grundstückspreise und Mieten attraktiv.
Bisher werden die deutlichen Defizite in der Kinderbetreuung, wie ein dauerhaft mangelhaftes Angebot an U3-Plätzen, Kindergarten- und Hortplätzen sowie Einrichtungen der offenen Ganztagsschule, noch von den übrigen positiven Faktoren des Wohnumfeldes im subjektiven Erleben der Familien „ausgeglichen“. Doch Mettmanns Nachbarstädte werben ausdrücklich mit einem wesentlich besseren Betreuungsangebot um junge, finanzkräftige Familien. Angesichts dieser Konkurrenz wird es für unsere Stadt in naher Zukunft ein Problem sein, ebenfalls die gewünschte Zielgruppe von Neubürgern in ausreichendem Maße zur Ansiedlung zu überzeugen – falls nicht kurz- und mittelfristig entscheidende Verbesserung bei der Betreuungssituation erfolgen. Dass das Platzangebot in Kindergärten unzureichend ist, - bedingt durch die Zugrundelegung einer ungeeigneten Datenbasis (fehlende Vernetzung von Einwohnermeldedaten und Geburtenregister) - ist der Stadtverwaltung seit Jahren bekannt. Bei der politischen Mehrheit im Stadtrat mangelte es bisher aber an eindeutigen Entscheidungen zur Lösung dieses Problems.
Unsere Stadt hat schon jetzt einen relativ hohen Anteil an Menschen in mittlerem und höherem Alter. Viele der heutigen Einwohnerinnen und Einwohner sind vor Jahr-zehnten nach Mettmann gezogen und haben sich hier eine Heimat geschaffen, die ihnen auch im Alter ein angenehmes Leben ermöglichen soll.
Menschen verschiedener Herkunft gehören zu unserer Bevölkerung. Besondere Aufmerksamkeit gebührt den ehemaligen Gastarbeitern, beispielsweise aus Italien und der Türkei, sowie deren Familien, welche teilweise bereits in der dritten Generation mit uns zusammen leben. Die Integration der Einwanderer aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion stellt eine weitere wichtige Aufgabe für unsere Stadt dar.

Perspektiven:

Die Familienfreundlichkeit ist in Zukunft einer der wichtigsten Standortfaktoren Mettmanns, und hat eine mindestens ebenso wichtige Bedeutung für die Stadtentwicklung wie gut erschlossene Gewerbegrundstücke am verkehrsgünstigen Ortsrand. In der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft werden nämlich gerade die „weichen“ Standortfaktoren für zukunftsträchtige Gewerbeansiedlungen ausschlaggebend sein, und dazu gehört ganz wesentlich die Familienorientierung einer Stadt.
Die Förderung der familienfreundlichen Infrastruktur in Mettmann muss daher eine hohe Priorität haben. Ein bedarfsgerechter Ausbau des Betreuungsangebotes ist dafür wesentlich genauso wie die kindgerechte Gestaltung öffentlicher Stadträume: Gemeint sind sichere Verkehrswege und Spielflächen, vielseitig nutzbare Grünbereiche auch in der Innenstadt, ein noch besser ausgebauter ÖPNV und ein Klima der Kinderfreundlichkeit in öffentlichen und privaten Einrichtungen.

Kinder und Jugendliche sollten nicht etwa als „Verwaltungsnotstand“ oder „Planungsübel“ angesehen werden, für welche der klamme städtische Haushalt notgedrungen Gelder bereitzustellen hat, sondern als Zukunftsperspektive für ein lebenswertes Mettmann. Dafür ist die besonders positive Wertschätzung von Kindern und Jugendlichen entscheidend. Der erschreckend hohen Kinderarmut in Mettmann, welche deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt, muss nicht nur mit gezielten sozialpolitischen, sondern viel stärker als bisher auch mit dezidierten kommunalen Maßnahmen begegnet werden. Ein ganzheitliches Konzept zur Armutsbekämpfung in unserer Stadt ist dafür dringend notwendig und könnte an einem „Runden Tisch“ mit allen beteiligten Akteuren zusammen entwickelt werden. Effiziente Schuldnerberatung sollte dann ebenso wie die weitere Förderung des schon bestehenden Sozialpasses und besonders des Sozialkaufhauses zum Maßnahmenpaket gehören.

Neben den „klassischen“ Angeboten der Jugendhilfe und der Einzelfallbetreuung von Kindern und Jugendlichen in schwierigen sozialen Situationen müssen die Themen Integration und Bildung in der öffentlichen Wahrnehmung einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Die schon seit Jahren geforderte bessere Zusammenarbeit von Jugend- und Sozialamt sowie der Schulverwaltung muss endlich umgesetzt werden. Dies kann nur mit der bereits in Kapitel 5 erwähnten kommunalen Bildungsverantwortung erfolgreich geschehen, bei der alle am Schul- und Bildungswesen sowie im Kulturbereich Beteiligten effektiv kooperieren. Ausreichende Mittel für die Schulsanierungen und ein verbessertes, vielfältigeres Freizeit- und Weiterbildungsangebote speziell für Jugendliche gehören dazu. Langfristig bietet nur eine bessere (Allgemein)Bildung den entscheidenden Zugang zu besserer Integration. Auch hier sind öffentlich-private-Partnerschaften denkbar, genauso wie eine verstärkte Einbindung der Wirtschaft und des Kulturbetriebes (beispielsweise bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für die Freizeitgestaltung, ehrenamtlicher Mitarbeit in Betreuungseinrichtungen, Benefizveranstaltungen). Wenn erfolgreiche Auto- und Modenschauen von der lokalen Wirtschaft gesponsert werden können, warum dann nicht auch häufiger zusätzliche Bildungsangebote an der Hauptschule oder im Mehrgenerationenhaus, um für benachteiligte Schülerinnen und Schüler die Chance auf eine Lehrstelle zu erhöhen? Auch an den Bauspielplatz, an ein Fahrradfestival oder an ein Skatertreffen für Jugendliche ist hier zu denken.

Unsere Stadt im demografischen Wandel muss schließlich auch Angebote für die große Gruppe der älteren Bevölkerung schaffen. Ein stärker gefördertes Mehrgenerationenhaus und Wohnprojekte, bei denen Alte und Junge voneinander profitieren und sich ergänzen, können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Das Einkaufsverhalten wird sich im Prozess des demografischen Wandels verändern. Service und Verweilqualität werden dann die Schlüsselbegriffe einer funktionierenden Innenstadt. Dazu gehören auf jeden Fall gut zugängliche öffentliche Toiletten in ausreichender Anzahl. Kurze innerstädtische Wege und ein attraktives Waren- und Dienstleistungsangebot sowie ein deutlich größerer Bereich an Einkaufsmöglichkeiten prägen eine zukünftige Innenstadt.