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Home Mettmann 2020 07 Integration und gesellschaftliches Miteinander
07 Integration und gesellschaftliches Miteinander PDF Drucken E-Mail

Bilanz:

Die Integration aller gesellschaftlichen Gruppen ist für das Zusammenleben in Mettmann von entscheidender Bedeutung. Dies wird uns spätestens seit der Diskussion um die Entstehung von „Parallelgesellschaften“ oder die aufgeregten, teilweise unsachlichen Diskussionen beispielsweise um den Bau einer Moschee immer deutlicher. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Einbindung von Migrantinnen und Migranten in die gesellschaftlichen Prozesse in unserer Stadt weiter an Bedeutung gewinnen. Hier leisten der Integrationsrat und verschiedenen gesellschaftliche und religiöse Gruppen bereits gute Arbeit, die es auszubauen und zu unterstützen gilt.
Allerdings müssen auch Defizite und Probleme deutlicher wahrgenommen und angesprochen werden. Die Quote der arbeitslosen Migrantinnen und Migranten ist mit knapp 16% fast doppelt so hoch wie die der restlichen Bevölkerung. In Mettmann verlassen fast 20% der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund die Schule ohne einen Schulabschluss. Bildungsdefizite, mangelnde Elternverantwortung und häufig auch eine berufliche Perspektivlosigkeit, kommen hinzu. Grundsätzlich fehlen in unserer Stadt ausreichende Angebote für Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen bzw. „bildungsfernen“ Bevölkerungsschichten. Eine für solche Jugendliche geeignete Nachmittagsbetreuung an weiterführenden Schulen, insbesondere der Hauptschule, gab es bislang nicht. Die Freizeit- und Ferienprogramme der Jugendamtsverwaltung sind zwar gut besucht, erreichen jedoch die oben genannten Gruppen von Jugendlichen kaum noch oder gar nicht mehr.

Perspektiven:

Neben den „klassischen“ Angeboten der Jugendhilfe und der Einzelfallbetreuung müssen die Themen Integration und Bildung in der öffentlichen Wahrnehmung einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Das gilt erstens für eine schon seit Jahren geforderte bessere Zusammenarbeit von Jugend- und Sozialamt sowie der Schulverwaltung. Zweitens ist eine deutliche kommunale Bildungsverantwortung notwendig, bei der alle am Schul- und Bildungswesen sowie im Kulturbereich Beteiligten effektiv kooperieren. Und drittens bedarf es ausreichender Bereitstellung von Mitteln für die Schulsanierungen und ein verbessertes, vielfältigeres Freizeit- und Weiterbildungsangebotes für Jugendliche. Denn langfristig bietet nur eine bessere (Allgemein)Bildung den entscheidenden Zugang zu besserer Integration.

Zusätzlich ist im Sicherheitsbereich eine deutlichere Polizeipräsenz in der Innenstadt und an den einschlägigen Gefährdungspunkten unerlässlich. Letztendlich hat auch der „Pflegezustand“ unserer Stadt eine Wirkung: ein höherer Grad an Sauberkeit und Ordnung, an Sanierung und Modernisierung und die damit einhergehende Sorgfalt im Umgang mit unserer Stadt können die Bereitschaft zur Achtsamkeit und damit die Verhinderung von Gewalt fördern.
Um in Mettmann die Entstehung getrennter Welten bzw. die „Abkapselung“ zugewanderter Menschen und die daraus resultierenden sozialen Probleme einschließlich einer entsprechenden Kriminalität zu vermeiden, müssen die Integrationsbemühungen auf allen Ebenen des städtischen Lebens intensiviert werden. Neben der Ökologie muss die Integration eine Querschnittsaufgabe der städtischen Entscheidungsstrukturen sein. Wer die sozialen Probleme unserer Stadt „ausblendet“, handelt kommunalpolitisch verantwortungslos. Schließlich ist ein lebendiges Gemeinwesen, in dem ethnischen Minderheiten und unterschiedlichen Kulturen mit Respekt und Toleranz begegnet wird, zukünftig ein wesentlicher Standortfaktor für unsere Stadt.