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Home Mettmann 2020 11 Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing
11 Wirtschaftfoerderung und Stadtmarketing PDF Drucken E-Mail

Bilanz:

Die Wirtschaftsförderung in Mettmann sieht sich einer komplexen Situation gegenüber, mit der in dieser Form nicht gerechnet wurde. Ein großes Problem ist vor allem die mangelnde Nachfrage nach den vermeintlichen „Filetgrundstücken“ im Innovationspark Mettmann West. Die Werbeanstrengungen für Mettmann als Standort zeigen nicht den notwendigen Erfolg. Grund dafür ist sicher auch, dass bislang seitens der Wirtschaftsförderung die Alleinstellungsmerkmale Mettmanns nicht genügend herausgestellt worden sind. Mit einer günstigen Lage im Großraum Rhein-Ruhr, als Hauptvorteil Mettmanns angeführt, können nämlich die Nachbarkommunen ebenso aufwarten.
Der wirtschaftliche Strukturwandel vollzieht sich auch in Mettmann. In den letzten Jahren haben wichtige und namhafte Industrieunternehmen die Stadt verlassen oder ihren Betrieb aufgegeben oder verkleinert, was nicht nur mit Fehlern seitens der Wirtschaftsförderung zu erklären ist. Versäumt wurde, unsere Stadt als Standort zukunftsträchtiger Branchen, auch in ökologischer Hinsicht, zu entwickeln. Mettmann als Gewerbestandort droht als Schlusslicht hinter den anderen Städten des Kreises zurück zu bleiben.
Bei der Entwicklung der Mettmanner Innenstadt setzt die städtische Wirtschaftsförderung bisher im Wesentlichen auf ein nicht sehr professionelles Stadtmarketing und bemüht sich um Bestandspflege. Doch im freien Spiel der privaten Kräfte von Grundstücksnutzungen und Ladenmieten in den zentralen Geschäftsbereichen hat das öffentliche Interesse fast immer das Nachsehen. Zu viele Leerstände in guten Geschäftslagen und eine übermäßige Filialisierung des Einzelhandels, insbesondere durch Billiganbieter von Textilien und Haushaltswaren, prägen infolgedessen die Innenstadt; „Leerstandsmanagement“ bestimmt entsprechend das Stadtmarketing. Nutzungen, welche die hohen Grundstücks- und Ladenmieten nicht erwirtschaften können, sind daher in städtische Randbereiche abgedrängt oder überhaupt nicht mehr ausreichend in Mettmann vertreten, obwohl sie im Nachfrageverhalten der Bevölkerung durchaus eine wichtige Rolle spielen (hier sind Freizeit- und Sportbedarf, Bio- und Naturprodukte sowie Haushalts- und Textilwaren zu nennen).

Perspektiven:

Eine leistungsfähige lokale Wirtschaft ist unabdingbar, damit Mettmann auch in Zukunft eine lebendige und lebenswerte Kommune bleibt. Im intraregionalen Wettbewerb um zukunftssichere Gewerbeansiedlungen hat unsere Stadt aber erst dann Chancen auf die gewünschte Nachfrage, wenn es ihr gelingt, ihre Alleinstellungsmerkmale angemessen zu präsentieren. Aus diesem Grunde braucht Mettmann ein stimmiges Wirtschaftsförderungskonzept, das auf einer genauen Analyse der Stärken und Schwächen der Stadt als Einkaufs- und Gewerbestandort beruht. In einem sich daran anschließenden Standortbestimmungsprozess muss festgelegt werden, für welche Branchen und Unternehmen die ermittelten Vorteile Mettmann interessant machen. Vor den Maßnahmen der Wirtschaftsförderung bleibt jedoch zunächst zu klären, welches Entwicklungsziel zukünftig erstrebenswert ist. Dieser Entscheidungsprozess kann nur im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern funktionieren. Eine effektive Wirtschaftsförderung im Gewerbebereich sollte sich schließlich auf einige wenige, aber zukunftsträchtige Branchen konzentrieren; dieses „Clustering“ war zum Beispiel bei der Besteckindustrie schon in der Vergangenheit Mettmanns erfolgreich.
Vor dem Hintergrund der ökologischen Zukunftsaufgaben ist der Binnenentwicklung der Gewerbestandorte eindeutig der Vorrang gegenüber einer weiteren Außenentwicklung durch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete zu geben. Ein effektives Flächenrecycling, auf der Grundlage eines Gewerbe- sowie des geforderten Brachflächenkatasters ist zukünftig anzustreben und muss entsprechend eine hohe Priorität bei der städtischen Wirtschaftsförderung haben.
Um ihre Außenwirkung zu verbessern, sollte eine zielgerichtete Wirtschaftsförderung vor allem eine bessere Gestaltung des Internet-Auftritts vorweisen. Kompetente Ansprechpersonen, die sich schnell und zuverlässig um die Anfragen und die Probleme sowohl von interessierten als wie von bereits ansässigen Betrieben kümmern, sollten deutlicher in Erscheinung treten..

Viel stärker sollte sich die kommunale Wirtschaftsförderung schließlich bei der innerstädtischen Entwicklung einbringen. In kurzen Zeilen die Innenstadt lediglich als einen „Faktor der Wirtschaftsförderung“ zu beschreiben (so auf der Internetseite der städtischen Wirtschaftsförderung), wird deren komplexer Funktion nicht gerecht. Denn sie ist Einkaufsort und zugleich Ort des sozialen Miteinanders, zum Beispiel bei Märkten und Festen. Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwischen ökonomischen und sozialen Funktionen zu erhalten und durch aktive Beratungs- und Vermittlungsarbeit bei Interessensgegensätzen Kompromisse zu finden. Dabei sollte die Innenstadt immer als vernetztes System unterschiedlicher Interessen verstanden werden – was dem einzelnen (Einzelhändler oder Immobilienbesitzer oder Kunden) sehr nützlich sein kann, fügt der gesamten Innenstadtentwicklung möglicherweise Schaden zu oder verhindert zukünftige Verbesserungen. Langfristig jedoch werden alle Beteiligten, auch wenn sie kurzfristig möglicherweise auf die Verwirklichung ihrer Einzelinteressen verzichten müssen, von einer attraktiveren Mettmanner Innenstadt profitieren.
Für diese Haltung gibt es bereits Ansätze und Initiativen aus der Bürgerschaft, seitens der Gewerbetreibenden und auch aus der Politik. Insbesondere eine rechtzeitige und fundierte Information der Bevölkerung über beabsichtigte Planungen und angestrebte Entwicklungen, muss in Zukunft für eine verantwortungsvolle kommunale Wirtschaftsförderung zum wesentlichen Bestandteil ihrer Tätigkeit werden. Eine Mettmanner Einzelhandelskultur, in der die eigentümergeführten Geschäfte eine deutlich positivere Wertschätzung gegenüber finanzmächtigeren (internationalen) Filialisten erfahren, sollte ebenfalls ein Ziel der städtischen Wirtschaftsförderung sein.
Insgesamt muss eine erfolgreiche Innenstadtförderung auf einer ausreichenden Analyse der innerstädtischen wirtschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten gründen. Dazu kann ein sorgfältig fortgeschriebenes Einzellhandels- und Dienstleistungskataster eine entscheidende Grundlage bieten. Darauf aufbauend ist ein professionelles Stadtmarketing unverzichtbar. Die bisherigen Aufgabenzuweisungen in der entsprechenden städtischen Stabsstelle reichen dazu offensichtlich nicht aus. Professionalität bedarf hier einer besseren personellen Ausstattung und deutlicher konzeptioneller Grundlagen.
Im derzeitigen Selbstverständnis der städtischen Wirtschaftsförderung gehört die „zukunftsorientierte Flächenvorsorge und –entwicklung“ in enger Abstimmung mit der Stadtentwicklungsplanung zu ihrem Leitbild. Gerade deshalb sollte nun endlich die verbindliche Verabschiedung eines nicht nur architektonischen, sondern ganzheitlichen demografischen Konzeptes der Stadtentwicklung so rasch wie möglich erfolgen.