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Home Mettmann 2020 Vorwort
Mettmann 2020 PDF Drucken E-Mail

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Die Ihnen vorliegende Darstellung zur zukünftigen Entwicklung unserer Stadt ist das Ergebnis einer intensiven Diskussion innerhalb unserer Partei. Sie ist einerseits eine Sammlung von Ideen und Vorschlägen. Andererseits beschreiben wir konkret die Prioritäten, welche wir für eine sozial gerechte und ökologisch verantwortungsvolle Entwicklung Mettmanns als grundlegend ansehen.
Es sind Perspektiven, Zukunftsbilder und Leitgedanken, aber keine konkreten Maßnahmenpläne mit detaillierten Zuweisungen von Verantwortlichkeiten, Finanzierung und Ausführung. Dies werden die folgenden Schritte sein müssen. Doch solange kein Gesamtkonzept zur zukünftigen Stadtentwicklung gedacht und verbindlich formuliert worden ist, bleiben alle städtebaulichen Einzelmaßnahmen unkoordiniertes Flickwerk. Davon hat unsere Stadt in den letzten Jahren genug erlebt.
Zudem haben sich nicht nur in unserer Stadt die Rahmenbedingungen, Wünsche und Notwendigkeiten der Stadtentwicklung deutlich verändert. Wir werden älter, „bunter“, weniger und werden in Zukunft mit knapperen wirtschaftlichen und finanziellen Ressourcen auskommen müssen. Uns erscheint es wichtig, auf die neuen Fragestellungen und Probleme einer sich wandelnden Gesellschaft zu reagieren und unsere Sicht des zukünftigen Mettmanns zu verdeutlichen.

Wir hoffen, mit diesem Beitrag auf Ihr Interesse an dem sehr vielfältigen Prozess der Stadtentwicklung zu treffen. Und vielleicht können wir sogar einige von Ihnen zu einer engagierten Mitarbeit für die Entwicklung unserer Stadt Mettmann gewinnen. Selbstverständlich sind wir für jegliche Fragen, Anregungen und für konstruktive Kritik zu diesem Thema offen.

 

Mettmann braucht Ziele

Unsere Stadt wird heute mehr denn je in ihrer gesamten Entwicklung wesentlich von nationalen und internationalen Rahmenbedingungen beeinflusst. Der sich in Deutschland vollziehende demografische Wandel sorgt dafür, dass auch die Bevölkerung Mettmanns langfristig schrumpft, dabei jedoch älter und heterogener wird. Gleichzeitig muss die Stadt auf die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen der Globalisierung reagieren.
Die neuen Herausforderungen können aber nur dann bewältigt werden, wenn die Lebensinteressen aller Beteiligten ernsthaft berücksichtigt werden, wenn also Mitgestaltung und Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger in der Stadtentwicklung selbstverständlicher werden.

Viele Mettmannerinnen und Mettmanner sorgen sich um die Zukunft unserer Stadt. In Leserbriefen und öffentlichen Stellungnahmen werden nicht nur die Verkehrsprobleme Mettmanns, mangelnde Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten neben unzureichenden Freizeit- und Kulturangeboten beklagt. Die Kritik an den (Nicht)-Entscheidungen von Rat und Verwaltung entspringt häufig auch einer hohen Sensibilität für Belange des Umwelt- und des Denkmalschutzes, wie zahlreiche Diskussionen um die innerstädtische Gestaltung zeigen.
Dabei durchzieht die Forderung nach einem Gesamtkonzept der Stadtentwicklung die bürgerschaftliche Kritik wie ein roter Faden. Viele Menschen in Mettmann haben erkannt, dass einzelne Maßnahmen in der Stadt häufig nicht zu einer insgesamt zufrieden stellenden Entwicklung führen, solange ein übergeordnetes Ziel, ein Leitbild der zukünftigen Stadtentwicklung fehlt.
Auch die neuere Gesetzgebung des Landes fordert die Gemeinden schließlich dazu auf, ein kommunalpolitisches Gesamtkonzept als Rahmen für die zukünftige Stadtentwicklung festzulegen. Das Ziel für Mettmann muss daraufhin eindeutig heißen: Schluss mit der stadtentwicklungspolitischen Verzettelung und Lähmung!

Obwohl im Jahre 1999 Leitlinien eines Innenstadtkonzeptes mit einzelnen Bauprojekten von der Mettmanner Verwaltung vorgestellt und darin einzelne Bauvorhaben und Projekte erläutert wurden, sind diese Überlegungen bis heute im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent. Von den dort 16 vorgeschlagenen Maßnahmen wurden bislang nur 6 tatsächlich realisiert; entscheidende Projekte, wie das Königshof-Karree und z.B. die Erschließung privater Hofflächen und Innenblockbebauungen aber sind bislang noch nicht angegangen. Wenn auch in diesem „Entwicklungskonzept Innenstadt“ schon eine Wohnfunktion des Stadtzentrums betont wird, lässt sich jedoch das angestrebte Verkehrskonzept (bis auf die Seibelquerspange) aufgrund völlig veränderter Rahmenbedingungen heute so nicht mehr umsetzen.
Das jüngst beschlossene Einzelhandelsgutachten stellt für die Innenstadt eine deutliche Unterversorgung mit Einzelhandelsgeschäften fest. Es fehlen ca. 3000 m2 Einzelhandelsfläche, um die Innenstadt attraktiver zu machen. Mettmann hat im Einzelhandel sicher nicht die Entfaltungsmöglichkeiten der umliegenden Zentren. Doch eine differenzierte Zunahme von Geschäften wird für die Belebung der Stadt auf Dauer unverzichtbar sein.

Wie also soll Mettmann in Zukunft sein - lebens- und liebenswert, familien- und kinderfreundlich, umweltbewusst und verantwortungsvoll, generationen- und geschlechtergerecht sowie barrierefrei?
Eine Stadt wie die unsrige mit vielschichtigen finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen aber ist schnell überfordert. Mettmann wird schließlich von uns allen geprägt. Sie ist der Ausdruck unserer unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse – und das aktuelle Stadtbild erzählt vor allem davon, welche Interessen sich bisher haben durchsetzen können: Einkaufen und Verkehr haben jahrzehntelang den „Takt“ für Mettmann vorgegeben. Bei zunehmendem Wachstum war das für Handel und Gewerbe, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich. Erst ein schrumpfendes Wachstum, fehlende Kaufkraftströme und Leerstände in der Innenstadt veranlassen viele, über die Veränderungen in der Stadt und über neue Entwicklungsziele nachzudenken.

Trotz einer allgemeinen positiven wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in Deutschland ist die Situation in unserer Stadt von einer zunehmenden Verschärfung der Lebenssituation bei vielen Bürgerinnen und Bürgern geprägt. Das betrifft insbesondere viele Familien mit Kindern, Alleinerziehende und zahlreiche Seniorinnen und Senioren. Die zukünftigen Veränderungen in der Altersstruktur und die Notwendigkeit, für die mittlerweile dritte Zuwanderungsgeneration adäquate Integrationsmöglichkeiten zu schaffen, stellen besondere Herausforderungen für die Stadtentwicklung dar.
Bei sinkendem Haushaltseinkommen muss einerseits gespart werden, andererseits sollte man sich bewusst machen, auf welche „Guthaben“ man zurückgreifen kann. Vieles wird dann besser gepflegt und neu wertgeschätzt – warum sollten wir da mit unserer Stadt nicht auch so verfahren?

Wir haben in unserer Stadt Mettmann sehr viel „Guthaben“, beispielsweise in den Bereichen Wohnqualität, Bildungsangebot und Naturraum. Um auch auf die zukünftigen Anforderungen reagieren zu können, sollten wir auf diese Stadt-entwicklungspotentiale zurückgreifen und sie zukunftsorientiert weiterentwickeln. Angesichts beschränkter Ressourcen gilt es, vorrangig die soziale und ökologische Lebensqualität zu fördern. Und das heißt neue und zeitgemäße Akzente zu setzen, die den unvermeidlichen Veränderungsprozessen in unserer Gesellschaft Rechnung tragen.

Um es ganz klar zu sagen: ein fundiertes, nachhaltiges Gesamtkonzept der Stadtentwicklung kann nicht komplett von nur einer Interessensgruppe oder Partei erarbeitet werden. Eine Stadt Mettmann, wie wir sie wollen, entsteht in einem solidarischen Miteinander aller an der Stadt Beteiligten, und zwar in einem Prozess der kleinen Schritte. Bürgerschaftliches Engagement ist die unverzichtbare Voraussetzung für die Zukunft unserer Stadt.
Mit dieser Veröffentlichung laden wir daher alle Bürgerinnen und Bürger Mettmanns dazu ein, an der positiven Veränderung unserer Stadt mitzuwirken. Als Grundlage haben wir zu elf Themenbereichen eine Art Bilanz erstellt, von der ausgehend pragmatische und visionäre Zukunftsperspektiven für Mettmann entwickelt werden. Wir nennen unseren Vorschlag zu einer Gesamtkonzeption der Stadtentwicklung deshalb

Bilanz und Perspektiven „Mettmann 2020“.